Burgenland sucht zwei Ausbrecher – Eisenstadt

Zwei Albaner, 39 und 37, beschäftigt in der Küche der kleinen Justizanstalt Eisenstadt, sind seit heute on the road. (Foto: Anstalt)

(Wien, im August 2011) Ausbrüche sind die ärztlichen Kunstfehler des Strafvollzugs. Niemand redet darüber, die Ämter und Behörden halten das Leintuch hoch.

Gebaut wird in Justizanstalten auch immer. Die Justiz ist wie ein Häuslbauer, der, kaum ist er mit einem Ende des Hauses, in dem er seine wohlerworbene Pension zubringen will, fertig, beim anderen Ende mit dem Zubau beginnt. Weil es schwierig ist zu ruhen und ruhig am Hintern zu sitzen.

Was für „den Häuslbauer“, der laut der Zeitung „Wirtschaftsblatt“ nach den Pensionisten in Österreich die größte Lobby in der Politik hat, weil er den Mittelstand repräsentiert, den man steuerlich nicht und nicht belasten darf (etwa: Grundsteuer) wenig Gefahren birgt, es sei denn, er stürzt vom Gerüst beim Verputzen der neuen Garagenwand für das dritte Auto, das ständige Dazubauen und Umbauen, es birgt für die Justiz Gefahren.

Umbau während laufenden Betriebs

Wie schon im Jänner 2010 berichtet, ist das Landesgericht Eisenstadt samt dem zugehörigen Gerichtshäfen eine Großbaustelle, weil dort die Bagger auffahren. Man baut um und aus.

Der Häfen ist nun 52 Jahre offen und wurde noch nie saniert. 163 Insassen passen dort hinein, sagte schon im Jänner der hochmotiovierte Kerkermeister und Anstaltsleiter Günther Wolf. Es ist immer voll. Die sechs fix angestellten Dolmetscher betreuen rund 20 Nationalitäten.

Am Sonntag 7. August 2011 entschwanden um 10 Uhr 30 nach dem Mittagessen aus der Küche zwei Insassen. Beide Albaner sitzen als Kriminaltouristen seit September 2010 in Haft und sind beide nicht rechtskräftig verurteilt. Der eine erhielt vier Jahre, der andere sechs Jahre ebenso wegen Wohnungs- und Hauseinbrüchen.

Wochenendbetrieb am Sonntag

Die Küche der Justizanstalt Eisenstadt hat wie jede andere Justizanstalt am Wochenende nur Schmalbetrieb. Weder gibt es am Wochenende Besuchszeiten, noch ärztlichen Dienst. Daher sind traditionell am Sonntag kaum Justizwachebeamte im Dienst.

Die Essenausgabe zum Mittagessen erfolgt am Sonntag um 10 Uhr 30 (im Gegensatz Wochentag: 15 Uhr 30). Um 11 Uhr werden am Sonntag in allen Justizanstalten die Gehsteige hochgeklappt. Um 13 Uhr sind alle Beamten zu Hause und der Wochenenddienst im Schongang läuft. Insoweit ist der Zeitpunkt für eine Flucht an einem Sonntag ideal gewählt.

Die Ausbrecher haben demnach ein Aussengitter zum Fenster der Küche so manipuliert, dass die Schrauben locker waren. Durch dieses Fenster entschwanden sie in den Hof und dort weiter zur aktuellen Großbaustelle der Justizanstalt. Dort schwangen sie sich über die Baustellensicherung und waren weg. Ob zu Fuß oder mit einem Auto kann oder will derzeit niemand sagen.

Bis Abend 25 Kilometer zurückgelegt

Die Fahndung läuft nun im Umfeld der Bezirke Eisenstadt, Mattersburg, Neusiedl und Oberpullendorf. Das deshalb, weil man errechnet, wie weit eine Person zu Fuß an einem Tag zurücklegen kann: Das sind maximal 50 Kilometer. So es keine Fluchthelfer gab, ist das der Zirkel. Allerdings ein sehr großer. Und die Nacht beginnt um 21 Uhr. Dann sind 25 Kilometer vorbei.

Marcus J. Oswald (Ressort: Flucht, Justizanstalten, JA Eisenstadt)

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