Chodorkovsky-Fall mit wohl bester Haftwebseite der Welt

Erniedrigende Präsentation vor Medien: Im Käfig. (Foto: khodorkovskycenter.com)

(Wien, im Dezember 2010) Ein Musterbeispiel, wie eine Haftwebseite aussehen kann, also eine Webseite zu einem singulären Fall in Verbindung mit prominenten Angeklagten, ist der Khodorkovsky & Lebedev Communications Center. Das ist die im Internet erscheinende Webseite zum YUKOS-Fall. Hauptangeklagte sind die ehemaligen Besitzer und Spitzenmanager, allen voran Khodorkovsky und Lebedev. Beide erhielten im ersten Prozess acht Jahre Haft.

Die Webseite enthält in der Prozessschau auf 92 (!) Subseiten alle Prozessberichte („from the courtroom“) zum Geschehen aus 2003 und den fortfolgenden Jahren der diversen Berufungs- und Beschwerdegänge vor internationalen Gerichten. Dazu gibt es jede Menge Fotos von den diversen sibirischen Gefängnissen und merkwürdigen Verhandlungsräumen in Russland, in denen Angeklagte zusätzlich in einem Käfig sitzen. Außerdem gibt es in der Multimedia-Abteilung auf 24 Subseiten You Tube-Videos von Kommentatoren (gut zum Russisch-Lernen!).

Umfassend

Der Fall ist gut berichtet. Die Angeklagten, einst allerreichste Russen, sehen es als Polit-Prozess. Der „Alpha-Rüde“ Vladimir Putin sieht das nicht so, er will sich die Angeklagten nur bis zur nächsten Wahl vom Leib halten. Offenbar hat er Angst vor ihrer Wirkung auf Bürgerrechtsgruppen.

Jedenfalls: Heute, 27. Dezember 2010 wurde das Team Khodorkovsky und Lebedev erneut in einem zweiten Verfahren für schuldig erklärt. Es geht um 218 Millionen Tonnen Öl. Die Verteidigung der beiden sagt, dass die Angeklagten diese Unmenge Öl nicht abgezweigt hätten, da das die gesamte Fördermenge von 1998-2003 gewesen wäre.

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Marcus J. Oswald (Ressort: International, Russland)

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