Richter Gerald Habersack geht mit Revolver zum Dienst

Richter Gerhard Habersack, 59: Versieht seit 1995 Dienst mit der Waffe.
(Foto: OÖN, am 7. Jänner 2010)

(Wien/Enns, im Jänner 2010) Der Stachel aus dem Ereignis am Bezirksgericht Linz-Urfahr vom 9. März 1995 sitzt in Oberösterreich tief. (Bezirksgericht Urfahr – 13 Mal Peng und aus, B&G 2. April 2005). Damals starben fünf Personen in einem Gerichtsaal nach einem harmlosen Nachbarschaftsstreit. Unter den Toten: Drei Juristen. Die Schießerei brachte Veränderungen an den Gerichtsgebäuden. Häuser mit über 25 Mitarbeitern wurden ab nun durch Objektschützer gesichert. Schleusen wurden installiert und besetzt. Kleine Gerichte unter 25 Personen, darunter auch viele so genannnte „einspännige“ Gerichte im ländlichen Raum, die nur einen Richter (zugleich: Vorsteher) haben, hatten davon natürlich wenig. Sie haben aber auch weniger Parteienverkehr.

Einschneidendes Erlebnis 1995

Ein solches kleines Gericht in das Bezirksgericht Enns. Die älteste Stadt Österreichs hat einen resoluten Gerichtsvorsteher. Er outet sich als Waffenträger. Dem 59-Jährigen Richter Gerhard Habersack war das Ereignis am 9. März 1995 in Linz eine Lehre. „Die drei Kollegen, die damals im Bezirksgericht Urfahr erschossen wurden, kannte ich persönlich. Noch am selben Tag habe ich mir eine Waffe zugelegt“, wird der Richter in einem Bericht in der „Oberösterreichischen Nachrichten“ am 7. Jänner 2010 zitiert. Es wird auch gesagt, dass er die Waffe täglich bei sich trägt.

Verfasst hat den Bericht ein Mann, der frei von Sensationshascherei ist: Erik Famler ist seit 30 Jahren Journalist. Er begann Ende der 80er drei Jahre bei der „Kronen Zeitung“ in Linz, ging dann als Leiter zur OÖN-Wels. Er wurde Anfang der 90er Jahre ins Ressort Landespolitik der OÖN nach Linz berufen und übernahm Mitte 90er Jahre (für fast 15 Jahre) als Chefredakteur die Konkurrenzzeitung „Welser Rundschau“. Er ging erst wieder 2008 zur OÖN zurück, als die Welser Rundschau von der profitorientierten Moser-Holding aus Tirol geschluckt wurde. Das ist deshalb so breit zu erwähnen, weil Famler kein Pistolenjournalist ist. Er ist im Wesen konservativ und sein Vater war in den 90er Jahren Gerichtspräsident am Landesgericht Wels.

Richter über Staatsanwälte: „Barmherzige Brüder“

Im Bericht der OÖN heißt es, dass der Gerichtspräsident von Enns Gerald Habersack derzeit bedroht wird. Es wird berichtet, dass Habersack seit zwei Jahren von einer Frau gestalkt wird, deren Schwager eine Haftstrafe durch ihn erhalten hatte. „Ich habe den Schwager einsperren lassen, der in Sankt Florian während eines Gottesdienstes eine Axt zückte“, so der Richter zum Journalisten der OÖN. Die Frau drohte ihm dann mit dem Erschießen. Sie kam kurz in Haft, wurde aber nach drei Wochen wieder entlassen. Das findet der Richter enttäuschend. Er fühlt sich von der Staatsanwaltschaft Wels im Stich gelassen. Er bezeichnet manche Staatsanwälte als „barmherzige Brüder“.

Aktuell sieht Richter Gerhard Habersack Bedrohungen durch „mindestens drei männliche und zwei weibliche Personen“, mit denen er aus der Aktenlage zu tun hat. Diesen traut der „spontane Gewalttaten“ zu. Daher hält er Selbstschutz für eine zulässige Massnahme und geht auch weiterhin mit der Waffe zum Dienst. Dienst mit der Waffe, wenn man so will.

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Zum OÖN-Artikel (mit 17 Postings), der im Wesentlichen aber schon zusammengefasst ist:
Richter fordert Schutz (Link extern zu Oberösterreichische Nachrichten, 7. Jänner 2010)

Marcus J. Oswald (Ressort: Gerichte, Personal)

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