Justizzentrum Eisenstadt nächster Gefängnisneubau

Justizzentrum Eisenstadt kommt. (Foto: Logo BIG Business)

(Wien, im Jänner 2010) Gefängnisse werden in Österreich nicht mehr (28), aber sie werden neuer. Nach dem Neubau Justizzentrum Leoben 2005 und dem Zubau in der Justizanstalt Wiener Neustadt 2006, folgte im September 2009 der Spatenstich für das Justizzentrum Korneuburg. Für das nächste Großprojekt stehen die Bagger bereits vor dem Landesgericht und der Justizanstalt Eisenstadt bereit. 2011 wird dort zum Bauen begonnen. Das Landesgericht Eisenstadt bekommt Neubauten, die Justizanstalt wird generalsaniert. Das schildert die Fachzeitschrift „BIG Business“ der Bundesimmobiliengesellschaft in ihrer Ausgabe Dezember 2009.

Die Justizanstalt Eisenstadt ist eine kleine Anstalt mit einer Kapazität für 163 Häftlinge. Im Dezember 2009 waren 165 dort. Anstaltsleiter Günther Wolf weiss, dass es schon einmal 200 waren. Die Anstalt ist 51 Jahre alt und noch nie saniert worden. In Anstalten wie diesen entwickelt sich eigenes Leben, die Raumnot macht erfinderisch und kreativ. Selbst die Beamtenzimmer haben nur die Größe einer Zweimannzelle, dafür sind drei Bürosessel untergebracht. Die Dienstzimmer sollen die bescheidene Enge nach den Sanierungsarbeiten verlieren.

Die Justizanstalt Eisenstadt wird 2011 komplett umgebaut. Die großen Zellenverbände (fünf bis sechs Mann Belag) werden aufgelöst und zu Zweimann-Hafträumen verwandelt.

Die Wiener Architekten YF - Ypsilonef - gewannen im EU-weiten Wettbewerb das Bauprojekt Justizzentrum Eisenstadt, das bald startet. (Foto: YF)

Das Siegermodell für das Justizzentrum Eisenstadt sieht einen vorgelagerten Neubau vor. Gesamtkosten: 36 Millionen Euro.
(Foto: YF Architekten)

Die wesentlichen Neubauten betreffen das Landesgericht Eisenstadt: Es wird zu einem „Justizzentrum Eisenstadt“ umgebaut, womit das bisherige Landesgericht erweitert wird. Auf einem nord-süd gerichteten Baustreifen erfolgt ein Neubau, der westseitig durch einen Glastunnel an das bisherige Gerichtsgebäude andockt. Errichtet werden die beiden neuen Gebäudeteile auf einem „Hangsockel“. Das Gesamtgebäude erhält somit einen neuen Eingang und einen neuen Vorplatz.

Modern das Gegenteil von modern

Im Erdgeschoss ist die zentrale Verteilerstelle. Dort befinden sich auch die Verhandlungssäle. 36 Millionen Euro kostet das Neubau- und Umbauprojekt. Eisenstadt schließt an moderne Gerichtsneubauten Leoben (Eigenlob der Justiz: „modernstes Gefängnis der Welt“) und Korneuburg an. In Feldkirch soll die Justizanstalt demnächst neu gebaut werden, der Wettbewerb lief bereits 2007. Zu St. Pölten hört man aus Beamtenkreisen, dass ein Neubau und eine Absiedelung der Justizanstalt an den Stadtrand in vier, fünf Jahren in Planung sei. Konkret ist hier aber noch nichts, obwohl das modernde Gefängnis in Sankt Pölten nicht sanierbar ist.

JA Eisenstadt – Haus für kurzen Zwischenstopp

Die Justizanstalt Eisenstadt hat Häftlinge mit einer maximalen Behaltedauer von 18 Monaten, was Probleme bringt. Anstaltsleiter Günther Wolf teilt die Ansicht von vielen anderen Gerichtsgefängnissen, dass in solchen Gefängnissen kaum Lohnarbeit herrscht. Damit herrscht in solchen Justizanstalten das Paradox: Obwohl es sich um meist keine gefährlichen Haftinsassen handelt, ist die Fluktuation zu groß, um Leute an größeren Werkmaschinen einzuschulen. Daher bekommen solche Häuser (auch: St. Pölten, Ried, Simmering) kaum größere Aufträge von Firmen. Selbst wenn ein Anstaltsleiter die Führung eines Gefängnisses mit der Führung eines Unternehmens vergleicht, fehlen die qualifizierten Mitarbeiter.

Der „Wirtschaftschef“ Klaus Faymann sagt in der Zeitschrift „BIG Business“: „Das größte Problem ist, dass es kaum noch Insassen gibt, die handwerkliche oder überhaupt eine Ausbildung haben.“ Er meint, er könnte weit mehr Aufträge von Betrieben aus der Umgebung in die Anstalt holen. Doch man könne diese „nicht abarbeiten, weil wir die dafür benötigten Häftlinge mit entsprechendem Know How einfach nicht haben.“

Sprachgewandt

Was man in der Justizanstalt Eisenstadt hat, sind Sprachen. 15 bis 23 Nationalitäten leben im Eisenstädter Käfig und das freut die Dolmetscher. Die Justizanstalt Eisenstadt beschäftigt sechs fix angestellte Dolmetscher, die hauptsächlich slawische und russische Sprachen beherrschen. Der „Ausländeranteil“ (EU-Staatsbürger und tatsächliche Ausländer) beträgt schwankend je nach Fangquote der Polizei 40-73 Prozent.

Erntezeit – 2,8 Tonnen Biogemüse pro Jahr

Anstaltsleiter Günther Wolf wurde indessen initiativ. Da er sonst nur eine kleine Werkstätte zu bewirtschaften hat, in der acht Häftlinge in langsamen Arbeitsbewegungen Stamperlhalter, Weihnachtsengel und Weihnachtskrippen bauen und das zweite „Standbein“, die Wäscherei mit dem Dressenwaschen für die umliegenden Fussballvereine ebenso ausgelastet ist, wurde er zum Landwirt.

Im Schatten des Nato-Drahtes der acht Meter hohen, grauen Gefängnismauer setzte er nicht zur Freude aller Beamtenkollegen durch, dass ein Glashaus errichtet und nun ein Grünstreifen zerfurcht und zerpflügt wird. Ergebnis: „Jetzt ernten wir auf 800 Quadratmetern im Jahr 2,8 Tonnen zertifiziertes Biogemüse.“ Für den täglichen Speiseplan nach Normalkost, Muslimkost und Vegetarierkost.

„Damit können wir ein Viertel unseres Eigenbedarfs der Insassen (Anstaltsküche, „A-Kuchl“, Anm. B&G) und der Bediensteten (Beamtenküche, „B-Kuchl“, Anm. B&G) decken“, ist der Eisenstädter Kerkermeister zufrieden.

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Dazu passt der alte Witz: „Warum bekommen Biobauern keine Kinder?“ – „Weil sie nicht spritzen dürfen!“

Marcus J. Oswald (Ressort: Justizanstalten, JA Eisenstadt)

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