Spatenstich – Justizzentrum Korneuburg entsteht

Der Spatenstich zum Neubau des Justizzentrums Korneuburg. (Foto: BMJ am 21. September 2009)

(Wien, im September 2009) Drei Projekte kamen in die Ränge, drei Projekte erhielten die lobende Erwähnung und ein siebter Architekturentwurf wurde ebenfalls von der Jury gut befunden. Die Architekten dachten viel und lange nach. Zum im August 2008 ausgelobten „baukünstlerischen Wettbewerb“ nahmen 34 Architekturbüros teil.

The winner is – Innsbruck

Gewonnen hat das Projekt die ARGE Dieter MATHOI Architekten – Architekturwerkstatt din a4. Die Jury erklärt, warum:

„Der vorgegebene städtebauliche Sachverhalt des Wettbewerbsareals im heterogenen baulichen Umfeld an der Autobahnstrasse A22 wird durch zwei oberirdisch eigenständige Gebäudekomplexe in allen Einzelaspekten souverän gelöst. Auffällig ist die minimale Inanspruchnahme der vorhandenen Grundstücksressource durch geringstmögliche oberirdische Verbauung. Ein großzügiger, zum Teil „grüner Anger“ setzt als wertvoller öffentlicher Freiraum in Fortsetzung der Brückenstraße als Hauptverbindung zum Stadtzentrum das 4-geschoßige Gerichtsgebäude im Westen – als einen der Aufgabenstellung angemessenen Solitär mit zwei Atriumeinschnitten für Licht und Luft, aber auch als Bereich zur „Kontemplation“ für alle Besucher – von der geschlossenen Anlage der Justizanstalt ab; ihre in die Gebäudedisposition integrierte Außensicherung ist ein innovativer Ansatz und wird gewürdigt.“

Baustadtrat und Gemeindearzt Ewald Priessnitz freut sich: Er hat ein Großprojekt in der Stadt.
(Foto: von Schaufenster)

Den Arzt Dr. Ewald Priessnitz freut es: Er ist SPÖ-Baustadtrat in Korneuburg und zuständig für Städtebau, Stadtplanung, Hochbau, Straßenbau- und -erhaltung sowie unter anderem Grundstücksangelegenheiten. Ein Grundstück nahe des kleinen Bahnhofes Korneuburg wurde gefunden und wird nun bebaut.

255 Haftplätze und 13.200 Quadratmeter

Das Projekt „Justizzentrum Korneuburg“ hat große Ausmaße: 75 Millionen Euro netto Baukosten. Der Gerichtstrakt hat 2.300 Quadratmeter Nutzfläche. Ein unterirdischer Gang verbindet das Gericht mit der Justizanstalt und soll die Vorführung der Häftlinge reibungslos gestaltbar machen. Durch diesen Gang gehen auch die Anwälte und Besucher. Es ist demnach ähnlich angelegt wie die Justizanstalt Josefstadt.

Das Justizzentrum Korneuburg ist für 255 Haftplätze (also weniger als bisher: rund 350) ausgelegt und erstreckt sich auf die Fläche von 13.200 Quadratmetern Nutzfläche. Das alte Gerichtsgebäude am Stadtplatz muss weiter genutzt werden, da es unter Denkmalschutz steht. Nach Absiedelung des Gerichtes denkt man wegen der zentralen Lage an einen Umbau in Büros, Wohnungen und Geschäfte.

Spatenstich

Am 21. September 2009 war symbolischer Spatenstich, an dem zahlreiche Honoratioren teilnahmen. Jetzt ist der Startschuss erfolgt und nun beginnt der Bau! Eigentümer ist die Bundesimmobiliengesellschaft, zugleich Bauherr. Mit Langzeitverträgen wird an das Bundesministerium für Justiz später vermietet.

Das Justizzentrum Korneuburg gilt als aktuelles „Masterprojekt“ für das Justizministerium im Bausektor. Es soll Bezirks- und Landesgericht, Staatsanwaltschaft und Justizanstalt in Korneuburg mit moderner Architektur vereinen. In Wahrheit ist es die Fortsetzung des Pionierprojekts „Justizzentrum Leoben“, das 2005 erstmals in Österreich in einem modernen Gebäude die Einheiten der Rechtspflege mit moderner Architektur zusammenfügte – und auch tatsächlich gebaut wurde!

Hingegen liegen für das Justizzentrum Baumgasse (1030 Wien) nur die Ergebnisse des Architekturbewerbes vor – es gibt aber „Bugdetvorbehalt“ und wird nicht gebaut. Pläne für ein Justizzentrum Eisenstadt (7000 Eisenstadt) liegen ebenso bereits in der Schublade zusammengerollt. Ob es gebaut wird, steht in den Sternen.

Siegerentwurf von Dieter Mathoi und Büro DIN A4 für das Justizzentrum Korneuburg. (Foto: BIG)

Niedrigenergie, Erdwärme, saubere Luft. So soll das neue Justizzentrum Korneuburg sein. (Foto: Büro Din A4)

In Korneuburg durften die Architekten tief in die Tasten klimpern. Sie dachten sich technische Finessen aus. Man will ein „Niedrig-Energiehaus mit Passivhaus-Elementen“ aus dem Boden stemmen. Allein die Fassaden haben Dämmstärken bis zu 36 Zentimeter, wodurch kaum Kälte eindringt. Sollte es dennoch kalt werden, wird zur Hälfte mit Erdwärme und Gasbrennwertkessel geheizt.

Behagliche Luft

Eine zentrale Lüftungsanlage soll „Wärmerückgewinnung schaffen“ und durch „Vorkonditionierung der Frischluft über Sole-Wärmetauscher für behagliches Raumklima sorgen“, heißt es in der Projektbeschreibung. Auch am Wasser will man sparen: „Die Brauchwässer für die Gebäude werden über Grundwasserbrunnen in Gericht und der Justizanstalt gepumpt.“ Man will hoffen, dass diese Vorhaben aufgehen und funktionieren.

Am Vorposten

Das Landesgericht Korneuburg ist am Vorposten zu Wien und das Tor zur weiten Welt: Sämtliche Straffälle vom Flughafen Wien-Schwechat landen bei diesem Gericht. Auch sonst reicht der Einzug bis an die tschechische Grenze (Gänserndorf) und streift zudem so manche Hot Spots wie Mödling (Fall Luca) oder Strasshof (Fall Branis). Wäre der Kampusch-Entführer Wolfgang Priklopil gefasst worden, wäre ihm nicht in Wien, sondern in Korneuburg der Prozess gemacht worden.

Marcus J. Oswald (Ressort: Justizanstalten, JA Korneuburg)

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter JA Korneuburg, Justizanstalten abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Spatenstich – Justizzentrum Korneuburg entsteht

  1. Pingback: Justizzentrum Eisenstadt nächster Gefängnisneubau | Gericht und Gefangen

Kommentare sind geschlossen.