Sieben Jahre Haft für Vergewaltigung in JA Sonnberg

Staatsanwalt Ronald Schaffer will, dass auch im Gefängnis die sexuelle Integrität gewahrt bleibt. Er klagte einen Steirer an, der in der JA Sonnberg zwei Mithäftlinge vergewaltigt hatte: Sieben Jahre Haft!
(Foto: Marcus J. Oswald)

(Wien/Korneuburg, im Mai 2009) Die JA Sonnberg steht für Innovationen: Viel Ausbildungprogramm, einen Call Center, in dem Inbound- und Outbound-Telefonate für Firmen durch Häftlinge erledigt wurden (der Call Center wurde mittlerweile nach Ungereimtheiten wieder geschlossen). Häftlinge erhalten in Sonnberg einen PC in die Zelle, es gibt großzügige Ausgangsprogramme im fortgeschrittenen Strafvollzug ab Mitte der Haft. Kurz: Umgekommen ist in ein paar Jahren Haft in Sonnberg noch keiner. Gestandene Männer Mitte der 40 beklagen sich selten über „Sonnberg“. (Das Journal ist mit einigen in Kontakt.)

Nazipeckerl

Trotzdem muss Sonnberg immer wieder für Merkwürdigkeiten gerade stehen. Es betrifft meistens junge Männer. Zuständig ist dann das Landesgericht Korneuburg. Ende 2007 stand ein Mitte 20-jähriger Häftling, der wegen Raubes in Sonnberg einsaß, neuerlich in Korneuburg vor dem Gericht: Er hatte sich – trotz Tätowierverbotes – ein Hakenkreuz seitlich in den Nacken und über den Augenbrauen je die Wörter „White“ und „Power“ in Runenschrift tätowiert. Da er damit ein sichtbares Bekenntnis zum Nationalsozialismus illustriert hatte, bekam er zwei Jahre Zusatzhaftstrafe. „Zwa Joar für a Peckerl, i packs net!“, war damals der lakonische Kommentar des Häftlings, der uneinsichtig blieb.

Zellenstier

Nun haben sich in der JA Sonnberg Szenen zugetragen, die man manchmal noch erfährt (2008 wurde ein Häftling der JA Hirtenberg ebenso der sexuellen Nötigung eines Mithäftlings, mit dem er in der JA Josefstadt die Zelle geteilt hatte, angeklagt – und moderat zu einigen Monaten verurteilt), die sonst aber nur aus dem ersten Kapitel von Heinz Sobotas „Minusmann“ (1978) in Erinnerung sind. Sexuelle Frondienste, um den Haftraumfrieden am Leben zu halten.

Hierarchie der Gewalt

Die angespannte Situation in der Justizanstalt Sonnberg hat sich laut Staatsanwalt so zugetragen, dass ein 19-jähriger Niederösterreicher, der 26 Monate wegen Einbruchs und Raub absaß, in eine Viermannzelle kam, in der ein 23-jähriger Steirer strenges Regiment führte. Der körperlich Überlegene vergewaltigte zuerst den Neuen und zwang diesen dann auch bei der Vergewaltigung eines weiteren Zelleninsassen mitzumachen. Das ging eine Weile so und niemand erfuhr etwas. Viermannzellen in Justizanstalten haben eine selbstorganisierte Binnenstruktur, in der sich bald, da vier Personen genau eine zuviel für Basisdemokratie sind, eine Hierarchie ausbildet. Der Zellenanführer war der 23-jährige Steirer und er verordnete nach Außen hin Schweigen.

Strafanzeige

Erst mit der Zeit wandte sich das zweite Opfer an eine Vertrauensperson in der Justizwache, die schließlich den Zellenverband auflöste und gegen den 23-Jährigen und den 19-Jährigen im Frühjahr 2009 Strafanzeige einleitete. Die Justiz kam in Bewegung und beide bekamen einen Geschworenenprozess.

Ziehender – Gezogener

Der Korneuburger Staatsanwalt Roland Schaffer klagte beide der Vergewaltigung, Schweren Nötigung, Sexuellen Nötigung und Schweren Drohung am Landesgericht Korneuburg an. Doch die acht Laienrichter und die drei Berufsrichter fällten in der Woche 18/2009 ein salomonisches Urteil: Der steirische Zellencapo als treibene Kraft (um eine alte Rudolf Mayer-Diktion aus einem anderen Fall zu verwenden: „Der Ziehende“) wurde zu sieben Jahren neuerlicher Haft verurteilt. Der Zweitangeklagte aus Niederösterreich (nochmals Rudolf Mayer: „Der Gezogene“) wurde von den Geschworenen wegen „entschuldigenden Notstands“ freigesprochen. Der 19-jährige Vater eines Kindes, so die Richter, musste mitmachen, da auf ihn selbst Gewalt ausgeübt wurde.

Marcus J. Oswald (Ressort: Justizanstalten, JA Sonnberg)

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