12 Jahre Haft und Einweisung für Halsstich in JA Stein

Der Rumäne Dumitru S., 27, erhielt für einen Zellenkonflikt in der JA Stein, der mit Halsstich endete, 12 Jahre Haft und Einweisung nach der Strafzeit in die Justizpsychiatrie. Somit besteht keine Chance auf vorzeitige Entlassung.

(Wien/Krems, im März 2009) Im Sommer 2008 attackierte ein Rumäne in einer Viermannzelle der JA Stein ein Brüderpaar mit dem Messer. Es ging um die Frage, zu welchen Zeiten im 25 Quadratmeter-Haftraum Sport betrieben werden soll. Der Konflikt unter Rumänen wurde mit dem Gemüsemesser gelöst. Der 27-jährige Dumitru S. stach es dem einen in den Hals. Die Halsschlagader wurde knapp verfehlt. Den anderen kratzte er nur leicht.

Tötungsvorsatz geleugnet

Der Stein-Häftling sagte in seiner ersten, unkoordinierten Aussage ins Polizeiprotokoll, dass er „beide töten wollte“. Als der Kremser Verteidiger Severin Perschl zum Fall kam, wurde dieser Vorsatz geleugnet. Die neue Strategie zielte darauf, dass bestenfalls absichtliche schwere Körperverletzung vorliegt. In der Tat gab es in ähnlichen Fällen (Beispiel: Ein Asylwerber läuft am St. Pöltner Hauptplatz einem anderen Asylwerber nach und sticht ihn zwei Mal in den Rücken; LG St. Pölten: 3,5 Jahre unbedingte Haft nach absichtlicher schwerer Körperverletzung) eine solche Interpretation des Geschehens.

Hammeranklage

Die Staatsanwaltschaft Krems, immer geneigt „Hammeranklagen“ zu formulieren, stellte den 27-Jährigen wegen „versuchten Mordes“ vor Gericht. Das Strafmaß geht bei dieser Interpretation bis Lebenslang. Der Unterschied liegt in der Vorbereitung der Tat, in Planung und Vorsatz. Verteidiger Severin Perschl bot einen Zeugen auf, der selbst Stein-Häftling ist und der die Schikanen beschrieb, die der Messerattentäter erleiden musste. Er hatte nur eine „Diener-Rolle“ im Haftraum und keinen sozialen Status. Geholfen hat es wenig.

Zusatzmaßnahme

Die Kremser Geschworenen verurteilten den 27-Jährigen, der aus der JA Suben in die JA Stein kam, wegen zweifachen Mordversuches zu 12 Jahren Haft. Da eine psychiatrische Analyse durch Gerichtsgutachter Richard Billeth „hochgradige Geistesstörung“ erkennen will und der Rumäne „keine Krankheitseinsicht“ zeige (er nimmt seine Tabletten nicht), bekommt er zusätzlich die „Maßnahme“ nach § 21 Abs 2 StGB. Womit sich die sonst für Rumänen günstige Hoffnung auf Entlassung mit Halbstrafe und Schub in die Heimat erheblich mindert. Mit dem Rucksack der Maßnahme kommen zur ursprünglichen Haftstrafe in der Höhe von sechs Jahren weitere 12 volle Jahre und einige Jahre in der Justizpsychiatrie dazu. Womit er noch etwa 20 Jahre im Gefängnis sitzen wird.

Marcus J. Oswald (Ressort: Justizanstalten, JA Stein, Massnahme)

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter JA Stein, Justizanstalten, Massnahme abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.