Juan Carlos Bresofsky-Chmelir soll in JA Karlau verlegt werden

Juan Carlos Bresofsky-Chmelir - JA Garsten - 30 Jahre in Haft.

(Wien, im Jänner 2009) Der 1978 verurteilte Bankräuber Juan Carlos Bresofsky-Chmelir ist seit 30 Jahren inhaftiert und lebte die letzten viereinhalb Jahre tadellos in der JA Garsten. Nun soll er in die JA Graz Karlau verlegt werden.

Seine Rundreise ab Festnahme 1978 (Urteil: Lebenslang):

  • JA Garsten (OÖ) – bis 1983
  • (Sitzstreik auf Kirchendach, Verlegung)

  • JA Graz-Karlau (STMK) – bis 1989
  • (Flucht, Zusatzverurteilung von 18 Jahren, Verlegung)

  • JA Stein (NÖ) – bis 2004
  • (Aussage gegen Beamte im Fall Edwin Ndupu, Verlegung)

  • JA Garsten (OÖ) – bis 2009
  • JA Graz-Karlau (STMK) – ?

Juan Carlos Bresofsky-Chmelir, heute 60 Jahre alt, klang aufgeregt, als er am 21. Jänner 2009 um 9 Uhr 29 anrief. 9 Minuten und 2 Sekunden dauert das Telefonat und er baute seinen Frust ab. „Ohne Grund soll ich in die Karlau verlegt werden“, klagte er. „Dabei mache ich nun alles ordnungsgemäß, auch eine Therapie bei Dr. Wabra.“ Kurt Wabra ist Psychotherapeut und begleitet Häftlinge in der JA Garsten auf dem Weg zur Entlassung aus der Haft.

Und: „Der Anstaltsleiter Minkendorfer gab mir am Weihnachtsfeiertag noch die Hand und sagte: Schauen Sie, dass Sie die Therapie positiv beenden. Dabei hat Norbert Minkendorfer am 22. Dezember 2008 bereits einen Verlegungsantrag gestellt.“ Somit hat er seinem Häftling zwei Tage später in die Hand und ins Gesicht gelogen.

Eine einsame Entscheidung der JA Garsten und der Vollzugsdirektion Oberösterreich, die viele als intransparente Organisation innerhalb der Justiz bezeichnen.

Verlegung in anderes Haus

Hafthausverlegungen sind bei Langzeithäftlingen eine heikle Sache. Trotzdem herrscht offenbar geöltes Zusammenspiel. Garsten-Direktor Minkendorfer sagt, die Entscheidung treffe von ihm unabhängig die Vollzugsdirektion Oberösterreich. Zugleich liegt Juan Carlos Bresofsky aber ein Schreiben vor, das den Datumsstempel 22. Dezember 2008 trägt und ein Antrag von Norbert Minkendorfer ist. Dieser beantragt eine Verlegung seines eigenen Häftlings. Er will ihn loswerden.

„Riesenschweinerei“

Juan Carlos Bresofsky: „Das ist eine totale Verschlechterung für mich und eine Riesenschweinerei.“ Im neuen Haus muss er mit seiner langen Gesamtstrafe „wieder von vorn anfangen“. In der Praxis heißt das: Er wird neu unter Beobachtung gestellt. Das dauert Jahre. An eine Entlassung in nächster Zeit ist dann kaum zu denken. Bresofsky: „Ich kämpfe um die letzten Jahre meines Lebens.“

Entlassung eigentlich 2009

Real gesagt und unter vernünftiger Blickweise ist Juan Carlos Bresofsky 2009 zu enthaften. Für Lebenslang gibt es in Österreich im Mittel 19 Jahre und die Zweitstrafe von 18 Jahren war überhöht und ist mit Drittel zu berechnen, also auf 12 Jahre einzuschleifen. Damit ist mit 31 Jahren Schluss und Finito.

Mit 31 Jahren Haft ist die Strafe abgebüßt. 2009 ist Bresofsky im 31. Jahr durchgehender Haft und 61 Jahre alt. Projekte seien in Planung: Ein Dokumentarfilm solle entstehen und seine Niederschriften will er auch als Büchlein herausbringen. Vor allem aber: Er will nach Uruquay zurück, wo er aufgewachsen ist. Mit dem Entlassungsgeld will er dort seinen Lebensabend bestreiten.

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Marcus J. Oswald (Ressort: Justizanstalten, JA Garsten, Lebenslang)

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