Helmut Elsner – Noch drei Tage

Zeitung - Freedom for Helmut (Quelle: Heute, 18. Dezember 2008)

(Wien, im Dezember 2008) Geht und ginge es nach der Zeitung „Heute“ und den schiurlaubenden Wiener Anwälten, ist Helmut Elsner, Ex-Boss der Gewerkschaftsbank BAWAG, bald ein freier Mann. Nämlich am 1. Jänner 2009, rechtzeitig zum Neujahrskonzert im Musikverein.

Kreise

Zu den Überzeugten gehörten am 18. Dezember, als die Zeitung „Heute“ aus der frohen Kunde Titelseite machte: Elsners Frau Ruth. Die 50-Jährige findet keine Arbeit mehr, geht am Bettel. Penthouse weg, Porsche weg, soziales Netz weg, Mann weg. Überzeugt auch: Anwalt Elmar Kresbach. Er macht bei Medienrummel gerne mit. Der Anwalt mit dem besten Seitenscheitel unter den Wienern ist fotogen. Auch überzeugt: Anwalt Wolfgang Schubert. Wieso erklärt sich nicht, denn nach dem Mega-Strafprozess (118 Verhandlungstage) wurde er von Kresbach abgelöst (strafrechtlich und zivilrechtlich). Er habe noch einen „Enthaftungsantrag in der Schublade“ (den achten). Sieben wurden abgelehnt. Schubert hat sich vom bisherigen Honorar ein Haus gekauft. Braucht ein Mann ein Zweites?

Kein Leumund

Viele sind überzeugt. Zeitung „Heute“ in einer Glosse (18. Dezember): Die anderen Mitangeklagten laufen frei rum. Die anderen österreichischen Banker nehmen Staatsgarantien für Spekulatio-Verluste. Nur Elsner muss sitzen.

Außerdem drohe der Republik eine Verurteilung durch den ECHR (EGMR). Das stimmt alles. Banker haben keinen Leumund. SAP-Gründer Hasso Plattner sagte kürzlich in einem Interview, dass er sich nichts sehnlicher wünscht, als dass „alle diese smarten Investmentbanker verjagt“ wären. Ja, das Geldgeschäft. Seit dem Mittelalter umstritten.

Treue

Doch wie ist es mit Elsner? Fakt ist, was gern verdrängt wird: Es geht nicht nur um die 9.5 Jahre Haft aus dem Hauptprozess. Für ein Kreditsackerlgeschenk an einen Freund (Hermann Gerharter) gab es auch 30 Monate Haft (900 Tage). „Untreue“ lautete der Vorwurf. (Helmut „schenkte“ 650.000 Einlagegeld ohne Beleg an Hermann.)

Diejenigen, die treu darauf schwören, dass Helmut, 73, schuldlos sitzt, ignorieren diesen Seitenprozess. Auch noch nicht rechtskräftig, aber bald. Das Strafmaß liegt im Mittel, ist nicht absurd hoch. 654 Tage U-Haft sind es bisher. Mit einer gesamten Haftaussicht von knapp zehn Jahren.

Schweigen

Laut „Heute“ will ein Wiener Insider am Landesgericht Wien wissen, dass 3 Millionen Euro Kaution geboten werden. Eine Million zur Frankreich-Verhaftung sponserte bereits Martin Schlaff, geheimnisumwitterter, in Scheidung lebender, jüdischer Investor, der vornehmlich in den Vertrauensländern Serbien, Bulgarien und im „Osten“ aus wenig Geld viel Geld macht.

Er soll nach wie vor bereit sein, zu kautionieren. Das wirft die Frage auf, wie tief Schlaff aus Investitionsgeschäften in der Schuld Helmut Elsners steckt, dass er so tief in die eigene Tasche greift. Haben einige Leute Angst, dass Elsner gegenüber Häftlingen Unbedachtes reden wird und sich plötzlich an Dinge erinnert? Drei Millionen für einen Mann, der bei einer Bank keinen Kredit mehr bekommt. Normalerweise nennt man das: Schweigegeld.

Befreiung

Jedenfalls: In drei Tagen ist es soweit. Die grünen Tore gehen auf. Helmut Elsner wird aus der U-Haft entlassen. Laut „Heute“, Ruth Elsner, Elmar Kresbach, Wolfgang Schubert. Interimsjustizminister in Österreich ist Gio Hahn. Ab 2009 dann Claudia Bandion-Ortner, die Bawag-Richterin. Vielleicht haben es deswegen einige eilig.

Die Drohung: Wird Elsner nicht entlassen, drohe eine schallende Ohrfeige durch den EGMR. Zur Erläuterung: Es gab für Österreich zwischen 1999 und 2006 in Summe 111 Verurteilungen durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (8 Millionen Einwohner). Es gab für Deutschland zwischen 1999 und 2006 in Summe 53 Verurteilungen durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (80 Millionen Einwohner). Gefürchtet hat sich hüben wie drüben davor niemand.

Ein Letztes: Während der Operation Spring-Prozesse (1999-2002) saßen im Gerichtsgefängnis JA Wien-Josefstadt rund 90 Afrikaner überlang in U-Haft, einige ohne Prozess über zwei Jahre (das geht mit Tricks wie Ausschreibung einer Hauptverhandlung, die dann um vier Monate, fortfolgend, verschoben wird). 1998 saß der ehemalige Senior-Chef der Elektronik-Kette Herlango Theurezbacher, knapp 70, dreieinhalb (!) Jahre in der JA Josefstadt in U-Haft, weil seine Milliarden-Pleite (1.5 Milliarden ATS) lange nicht in Rechtskraft erwuchs.

Helmut Elsner geht in drei Tagen frei. So der Geheimplan.

Marcus J. Oswald (Ressort: Justizanstalten, JA Josefstadt)

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