Bedingte Entlassungen in Stein wurden mehr, so Friedrich Olejak

Friedrich Olejak (re.): 31 Jahre Haft, aber noch am Leben. (Foto: Archiv Oswald)

(Wien, im Dezember 2008) Er hat sich wieder gemeldet, nach etwas längerer Pause. Am 17. Dezember 2008 (5 Minuten) und am 18. Dezember 2008 (22 Minuten) hatte er Mitteilungsdrang. Friedrich Olejak sitzt etwas „fest“. 31 Jahre Haft lautet sein Urteil. 25 Jahre sind um, sechs Jahre noch vor ihm. Im Sommer 2008 wurde ein Antrag auf bedingte Entlassung abgelehnt. Da fiel er mental in ein Loch. Die drei Bankraube in Wien Anfang der 80er Jahre werden ihm noch sehr übel genommen. Weniger die Bankraube (18 Jahre), sondern die in der JA Garsten versuchte „Erpresserische“ am Abt während der Weihnachtsfeier in den 90ern. Er wollte raus und nahm Hochwürden als Geisel (13 Jahre).

„Hallo, hier Fritzl!“

Olejak meldet sich am Telefon immer mit „Fritzl“. Da zuckt der Herausgeber zusammen. Er glaubt, Josef Fritzl sei dran. Es ist aber Friedrich „Fritzl“ Olejak. Am 18. Dezember 2008 um 17 Uhr 37 ist er voller Ideen: „Bei der österreichischen Form der Begnadigung zeigt der Staat Stärke. Er gibt sie als bedingte Entlassung, die widerrufen werden kann.“ Jedoch: „Zeigt ein Staat Milde, gibt er eine Begnadigung tatsächlich als Entlassung.“

Mehr Bedingte in Stein – personenbezogen

In der JA Stein gibt es derzeit verstärkt „vorzeitige Entlassungen“. Die Quote hat sich „verdoppelt“. Fritzl: „Es stieg von früher fünf auf gut 10 Prozent. Jedoch personenbezogen, nicht zeitbezogen.“ (Drittel als „falsches Drittel“.) Umbesetzungen in den beiden Entlassungssenaten hätten am LG Krems einiges bewirkt. „Aber es ist wie immer: Das Gericht ist dafür, das Haus ist dagegen. Dann kannst Du eine Münze werfen.“ Am meisten profitieren in der JA Stein die Erstmaligen. „Stein is a so.“ Von 740 Häftlingen sitzen 190 Männer das erste Mal.

„Stein is a so“

Er bleibt trotzdem skeptisch: „Österreich ist ein Vertuschungsweltmeister. Kritik will man nicht.“ Im Sommer 2008 hatte er in Stein so etwas wie eine kurzfristige „Schreibsperre“. „Wenn Du Kritik übst, giltst Du als Querulant.“

Olejak verspricht aber, nun endlich einen Beitrag über die „Taser“-Elektroschocker zu schreiben. Er hat dazu eine eigene Theorie: „Ich sage: Man soll jeder Anstalt einen Taser in die Hand geben. Einen, nicht zwei. Denn wozu braucht man in der JA Ried im Innkreis zwei Taser? Dort wird das nur zu Disziplinierungsmaßnahmen eingesetzt. Man soll ihnen einen geben. Einen in jeder Anstalt. Und wenn dann der erste Tote ist, soll man allen Anstalten das Gerät wieder wegnehmen.“

Betondecke

Wie ist das werte Befinden des Anstaltsdirektors? „Fritzl“: „Der Direktor sieht, dass er in Stein nix ändern kann. Er arbeitet auch in der Nacht, macht Überstunden. Am Anfang hat er einige Änderungen versucht. Aber er ist an der Betondecke der Offiziere angekommen.“ ÖVP-Mann Christian Timm erkenne im zweiten Jahr, dass er in Stein scheitern wird.

Letzte Frage: „Wann kriegst Deinen ersten Ausgang?“ Fritzl lacht. Das Telefonat endet.

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Ansteigen der Freude:

Rund ums Entlastungspaket 2008 (13.12.2008, B&G)

JA Stein vergibt wieder Halbstrafen (4.09.2008, B&G, Link derzeit off)

Zwischen 1994 und 2003 – Kaum Bedingte in Stein (27.12.2005, B&G)

Marcus J. Oswald (Ressort: Justizanstalten, Bedingte Entlassung, JA Stein)

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