Sekundentod – Mörder Kurt Zechmeister in Wien tot vom Rad gefallen

Richter Johann Koller verurteilte Kurt Zechmeister zu 18 Jahren. Fünf Jahre davor war er auch Richter im Tibor Foco-Prozess.

(Wien, im November 2008) Udo Proksch sagte einmal, dass jede „Haft über zehn Jahre ungesund“ ist. Proksch starb in Haft. Manche schaffen eine lange Haft („Schmalz“), die auf eine schwere Straftat folgt. Sind sie dann endlich in Freiheit, ist nichts mehr. Oder sie sterben den abrupten Sekundentod. So im Fall Kurt Zechmeister.

Der damals 36-Jährige erschoss am Geburtstag des Herausgebers dieses Journals, am 29. Juli 1990, in der Linzer Diskothek „Zoom“ aus dem Nichts den gänzlich unbeteiligten 21-jährigen Markus Winkler. Zechmeister schoss mit seiner 7,65 mm-Waffe auch auf zwei weitere Personen, darunter eine Frau. Winkler erlag dem tödlichen Bauchschuss. Zechmeister konnte nach Wien flüchten, wurde aber von der Polizei aufgespürt und in die Justizanstalt Linz in die Pochestraße 9 überstellt.

Zurechnungsfähiger Täter

Ein Jahr später war sein Schwurprozess. Er verantwortete sich mit Sinnesbeeinträchtigung durch Rauschmittel wie Drogen und Alkohol. Dem widersprach, dass er eine weite Flucht ins 200 Kilometer entfernte Wien organisieren konnte. Außerdem konnte er exakte Angaben machen, wie er vom Tanztempel in der Scharitzergasse zum Andreas Hofer-Platz lief. Er war also durchaus bei der Sache.

Daher wurde er unter dem Vorsitz des Richters Johann Koller, der fünf Jahre zuvor auch den Tibor Foco-Prozess geleitet hatte, im Juni 1991 zu 18 Jahren Haft wegen Mordes verurteilt. Der Staatsanwalt berief und das OLG Linz stockte auf die gerade Summe von zwanzig Jahren auf.

Freiheit am Freiheitstag

Oberösterreichische Schwerverbrecher sitzen ihre Haft meist in Oberösterreich ab. In der JA Garsten. Dort hatte der Gerichtspräsident Georg Huber im Jahr 2008 ein mildes Nachsehen mit dem mittlerweile 54-Jährigen und entließ Kurt Zechmeister bedingt nach 18 Jahren Haft am 4. Juli 2008, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, in die Freiheit.

Doch nun weiß die „Oberösterreichische Nachrichten“ am 21. November 2008, dass diese nicht lange währte. Zechmeister wurde nicht rückfällig, aber hinfällig. „Am 11. Oktober stürzte Kurt Zechmeister in Wien plötzlich leblos vom Fahrrad, er konnte nicht wiederbelebt werden“, so die Zeitung.

Marcus J. Oswald (Ressort: Justizanstalten, Schicksal)

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