Neues aus Kresbach-Land: 1.500 Euro für unaufgeforderten Häftlingsbesuch

Elmar Kresbach: Gealtert, aber noch immer ein guter Abrechnungskünstler. (Foto: Oswald)

(Wien, im Oktober 2008) Der Wiener Anwalt Elmar Kresbach ist gut im Geschäft, möchte man meinen. Er riss sich sowohl die zivilrechtliche als auch die strafrechtliche Vertretung des Helmut Elsner unter den Nagel. Daneben vertritt er André Maartens Rhettberg im Fall Libro.

Nasser Daumen

Dieser Tage blätterte er wieder einmal mit dem nassen Daumen in der Rollkartei der Häftlinge. Kresbach sieht den Markt der Häftlinge als Akquistionsmasse für weitere Aufträge. Theoretisch ist ein Häftling ein Dauerabo, der immer rechtliche Hilfe braucht. Was er nicht weiß: Mit dieser Rollkartei verhält es sich so wie mit verflossenen Freundinnen und ehemaligen Liebschaften: Man sollte sie besser nicht mehr aufsuchen, denn das bringt eine Menge Ärger. Ist die Liebesbeziehung einmal abgekühlt, wird das Wiedersehen problembeladen.

Besuch in Steyr

Am vergangenen Montag (6. Oktober 2008) war Elmar Kresbach in Oberösterreich. Genauer in Steyr. Er hatte am Vollzugsgericht eine Verhandlung um eine bedingte Entlassung. Da schon in der Nähe, schaute er in der JA Garsten rein. Dort sitzt ein Häftling seine zehnjährige Haftstrafe ab, von der vier Jahre erledigt sind. Kresbach hatte sich von der Gattin des Häftlings 1.500 Euro geholt, damit seine Spesen gedeckt sind. Am 6. Oktober 2008 ließ er sich unaufgefordert den Insassen in die Besucherzone der Justizanstalt rufen.

Wiedersehen in Garsten

Der Häftling fragte den Anwalt, was anliege im vierten Jahr seiner zehnjährigen Haftstrafe. Elmar Kresbach sagte zum Haftinsassen, dass er sich von dessen Frau 1.500 Euro Vorschuss zahlen ließ und, ob er denn eine Idee für einen Wiederaufnahmeantrag hätte!

1.500 Euro vorab kassiert

Darauf gab der mit soviel Glück überraschte Häftling die für Kresbach wohl ebenfalls überraschende Antwort: „Ich hab schon eine Idee. Du fährst jetzt ganz schnell zu meiner Frau und gibst ihr die 1.500 Euro zurück, sonst spielt’s Granada.“ Die beiden gingen tatenlos auseinander. Diese Episode erzählt man sich nun in der gesamten Justizanstalt Garsten.

Helfen in der Not

Gegen unangekündigte Häftlingsbesuche in Strafhäusern ist nichts einzuwenden. Der Häftling, abgeschnitten von der Welt, kann sich nicht gegen Anwaltsbesuche wehren. Gegen den Ansatz, Häftlingen in Not zu helfen und das persönliche Gespräch zu suchen, hat keiner etwas. Solange es kostenlos gemacht wird wie das „kostenlose Erstgespräch“ bei einem Anwalt. Jedoch ein Voraus-Akonto zu nehmen, um den möglichen Folgeauftrag (Wiederaufnahme) zu sichern, ist hart an der Sittenwidrigkeit. Kresbach hätte auch einen Brief schreiben können, ob der Häftling Besuch und Hilfe wünscht. Und nach der Korrespondenz anreisen können.

Notgroschen

Vielleicht ist es aber so: Helmut Elsner und seine Freunde zahlen schlecht. André M. Rhettberg zahlt schlecht. Daher braucht Elmar Kresbach, bekannt für seine Abrechnungskünste, Zusatzhonorare, um seine Sammlung an Manschettenknöpfen auszubauen.

Marcus J. Oswald (Ressort: Justizanstalten)

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