Juan Carlos Bresofsky hat Haftprüfungstermin

JJuan Carlos Bresofsky hat am 7. Oktober 2008 Entlassungsverhandlung.

(Wien, im Oktober 2008) Überraschender Anruf am 4. Oktober 2008, 10 Uhr 55, beim Herausgeber dieser Seite: Juan Carlos Bresofsky meldete sich aus der JA Garsten. In freundlichem Wienerisch mit leicht jiddischem Einschlag berichtete der Mann, der seit 30 Jahren (1978) durchgehend in Haft ist, folgendes:

„Ich habe am 7. Oktober 2008 Vollzugsverhandlung am LG Steyr.“ Auf die Frage: „Haben Sie das beantragt?“ antwortet er: „Nein, Gerichtspräsident Huber hat das selbst initiiert.“

Der Steyrer Gerichtspräsident Georg Huber gilt als „alter Hase“ im Justizgewerbe. Er geht mit Jahresende 2008 in Pension. Von seiner Kompetenz konnte man sich ausführlich überzeugen – in einem langen Telefonat zu einem anderen Fall. Nun steht fest: Er will sich vor seiner Pensionierung offenbar noch einmal harte Brocken der Langzeitinsassen im Aktenstudium und persönlichen Gespräch ansehen und in einer Verhandlung ergründen, ob sie zu entlassen wären. Offenbar will Huber in seiner Amtszeit nichts unerledigt zurücklassen.

Gericht befragt Lebenslangen

Die wilde Zeit hat Juan Carlos Bresofsky, 59, hinter sich gelassen. Er war ein Rebell, sagt er selber im Telefonat: „Ich habe in Stein die Revolte (2001, Anm. Gericht und Gefangen) wesentlich mitangezettelt.“ Das entspricht seinem Sinn für Gerechtigkeit und der Vorstellung von Solidarität. 2004 wurde er nach 15 Jahren in Stein „über Nacht“ in die JA Garsten verlegt, das unter den drei großen Männerstrafanstalten das liberalste Vollzugsgericht hat.

Bresofsky hat seit Jahresbeginn 2008 eine neue Rechtsanwältin, Mag. Dr. Birgitta Braunsberger-Lechner aus Steyr. Bisher „betreute“ seinen Fall Lennart Binder. Ende 2007 kam etwas Bewegung in die Sache: Reinhard Haller erstellte ein Prognosegutachten zu ihm. Nun sieht sich Gerichtspräsident Huber das alles an. Huber sagt am Telefon gern: „Vielleicht bringen wir etwas zusammen.“ Sein Prinzip ist: „Wenn der Staatsanwalt und das Haus dagegen sind, müssen das Gutachten und er überzeugen, dass man ihn entlassen kann.“

Rückkehr nach Uruquay

In der Justizanstalt Garsten wurde mit dem Langzeitinsassen laut Telefonat am 4. Oktober 2008 bisher „nichts“ gemacht, keine Therapie oder Entlassungsvorbereitung. „Ansuchen wurden alle nur verschleppt“, klagt Bresofsky. Das deshalb, weil er innerhalb der Justizanstalten als Aufsässiger gilt, was im Telefonat aber gar nicht so deutlich wird. Er scheint angepasste Ziele zu haben: „Ich bin verheiratet und meine Frau wartet seit meiner Festnahme 1978. Ich werde bald 60 Jahre alt und habe ein Entlassungsgeld von rund 15.000 Euro. Mit diesem kann man in Österreich nicht viel machen. Daher möchte ich nach Uruquay zurückgehen und dort wieder etwas Neues anfangen.“

Am 7. Oktober 2008 weiß man mehr, wie es mit einem der längstdienenden Häftlinge Österreichs weiter geht.

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Marcus J. Oswald (Ressort: Justizanstalten, JA Garsten, Lebenslang, Bedingte Entlassung)

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