Helmut Elsner kann Hafterleichterung nach Interview verlieren

Elmar Kresbach besticht mit sinnlosen Eingaben und soll für BAWAG-Elsner die Nichtigkeit und Berufung schaukeln. Er liebt das Rampenlicht. Hier nach dem David Irving-Prozess im Interview mit Al Jazeera auf Englisch. In einem Interview mit der Zeitung Der Standard sagte er, er würde auch Saddam Hussein verteidigen. (Foto: Oswald)

(Wien im September 2008) In der dritten Juli-Woche 2008 überraschten Helmut Elsner und sein „Ich-habe-die-schönsten-Manschettenknöpfe“-Verteidiger Elmar Kresbach die Öffentlichkeit mit der Ankündigung, Elsner wolle ins Fußfessel-Programm und seine restliche Haft im „Hausarrest“ absitzen. Kresbach hat einen entsprechenden Antrag eingebracht.

In der zweiten September-Woche 2008 ließ das Gespann aus dem zu 12 Jahren Haft verurteilten Betrüger und seinem Verteidiger mit der Idee aufhorchen, man wolle eine Verlegung aus der unkommoden Justizanstalt Wien-Josefstadt in das Geriatriezentrum der Justiz, „Wilhelmshöhe“. Dort ist Platz für 80 „Lungenkranke“ und Senioren ab 70 Jahren. In dieser „Außenstelle“ der JA Josefstadt leben derzeit 19 Häftlinge. Elsner wurde untersucht. Es wurde festgestellt, er ist nicht lungenkrank und ebenso nicht gebrechlich.

In der vierten September-Woche 2008 bewies Helmut Elsner, dass er nicht altersschwach ist. Er gab ein resches Zeitungs-Interview. Das Magazin „profil“ vom 22. September 2008 breitet es auf vier Druckseiten aus und läßt dem Untersuchungshäftling viel Raum zur Darstellung. Er hatte 117 Prozesstage und ein zugegeben schweres Urteil (4. Juli 2008). Sein Mitteilungsdrang ist ungebrochen.

Wer ihm das Interview eingeredet hat, trägt nun die Verantwortung für den Verlauf der nächsten Jahre des Promi-Häftlings. Es war insgesamt keine gute Idee. Wie bekannt, hat Helmut Elsner, der „beratungsresistent“ ist, nach dem Mega-Prozess seinen Anwalt Wolfgang Schubert hinausgeworfen. Dieser vertrat ihn mit der Methode des klassischen Zivilanwalts vor einem Strafgericht, was immer zum Scheitern verurteilt ist. Zivilanwälte sind konditioniert viel zu reden, während beim Strafprozess prägnant und wenig gesprochen wird. Schon im letzten Drittel des Prozesses zog Helmut Elsner den Verteidiger Elmar Kresbach hinzu, der ab dem siebten gescheiterten Enthaftungsantrag als Zweitanwalt „die Enthaftung vorantreiben“ sollte.

Schriftsatzkultur

Es folgten Exzesse aus der Feder Kresbachs. Weitere (sinnlose) Anträge auf Enthaftung des U-Häftlings (!), Antrag auf Fußfessel während der Untersuchungshaft (!) und Antrag auf Sanatorium Wilhelmshöhe. In der Geheimwissenschaft der Juristenwelt nennt man das „Schriftsatzkultur“. Es ist weniger wichtig, ob etwas „durchgeht“. Wichtiger ist, dass ein Antrag gestellt wird.

Kresbachs Dynamik beeindruckte Elsner offenbar so sehr, dass er zum Ende des Großprozesses seinen Prozessanwalt, der über ein Jahr hinter ihm im Gerichtssaal saß, kündigte und ganz auf den Neuen setzte.

Dieser liebt, das weiß Elsner offenbar nicht, das Spiel mit den Medien. Für einen Auftritt bei „Al Jazeera“ vertritt er Irving, im „Standard“ sagte er einmal, dass er auch Saddam Hussein vertreten würde und für eine Sonntagsmeldung auf orf.at macht er, wissend, dass ein Elsner noch immer medial zieht, den Antrag auf Fußfessel publik. Lapidarer Grund: Der Mann ist alt. Der ORF berichtet Online und am Schirm.

Der schlaue Anwalt weiß, welche Eingabe wertlos ist. Aber im Sinne der „Schriftsatzkultur“ läßt er sich jeden Zettel teuer abkaufen. Und im Sinne einer Medienkultur, die von Seitenblicke-Qualität geprägt ist, kommt er damit wieder in die Medien. Anwalt Rudolf Mayer sagte kürzlich im „Kurier“, man kenne ihn zwischen Wien und Bukarest. Elmar Kresbach kennt man zumindest zwischen Stadlau und Hütteldorf.

Verteidigungsfehler: Interview Ohne Zensur

Doch nun macht Elmar Kresbach einen Verteidigungsfehler. Möglicherweise ließ er sich von Mediengeilheit übermannen. Dass er ein Interview Helmut Elsners nicht verhindern konnte, muss real betrachtet Folgen haben. Wenn am Landesgericht Wien nicht der Wiener Schmäh vor nüchterner Betrachtung steht, muss dieses Interview des Helmut Elsner alle weiteren Hafterleichterungen sofort erledigen.

Denn Helmut Elsner, der gerade einmal 18 von 144 Monaten abgesessen hat und in Berufung und Nichtigkeit gegangen ist (Verhandlung in einem Jahr), zieht es vor „Ohne Zensur“ zu sprechen. Er trägt das Herz auf der Zunge, sagt was er denkt. Und er denkt nicht, sondern redet vor sich hin, was ihm im Moment einfällt.

Dass er noch einen 5-köpfigen Senat im OGH (Schuldberufung) überzeugen muss, einen 3-köpfigen Senat am OLG (Strafberufung) und laufend mit seinen Enthaftungseingaben einen 3-köpfigen Senat (Berufungssenat), bedenkt er nicht. Dass diese Leute das „Profil“ auch lesen könnten, negiert er. Was er im Interview sagt, hätte in einem laufenden Rechtsmittelverfahren nie an die Öffentlichkeit dringen dürfen. Dass sein Anwalt Elmar Kresbach das nicht verhindert hat, schmälert sämtliche Berufungsaussichten und die Hafterleichterungsaussichten.

Das Interview ist populär gesagt: Ein Schuss ins eigene Knie.

Mediale Selbstauskunft

Profil 39/2008.

Elsner im „profil“-Interview, altersstarr: „Mich hat ein lieber Freund besucht, ich will seinen Namen nicht nennen. Er hat hier zwei Stunden auf mich eingeredet, um mich zu einem Geständnis zu bewegen. Er meinte, schuldig oder nicht, die werden dich sowieso verurteilen, also mach es dir nicht noch schwerer. Ich habe ihm geantwortet: Selbst wenn die mir schriftlich geben, dass ich freigesprochen werde, werde ich nicht gestehen, weil es nichts zu gestehen gibt.“

Damit belegt er, dass er vom Strafprozess keine Ahnung hat. Argumente zu seiner Entlastung und Milderungsgründe für Berufungsverfahren fallen durch solche Positionen komplett weg.

Alten Baum kann man nicht biegen

Elsner, uneinsichtig: „Natürlich wäre ich gern auf freiem Fuß, aber nicht um diesen Preis. Das klingt für Sie vielleicht nicht besonders klug, aber das ist nun einmal mein Naturell. Wenn ich das machte, würde ich mich so grämen, dass ich sowieso nicht lange überlebe. Ich will meine Selbstachtung nicht verlieren.“

Es stellt sich während des Interviews die Frage, wo sein Anwalt Elmar Kresbach war? Wenn ein Mann, der ein halbes Jahr unter der Höchststrafe verurteilt wurde (9,5 Jahre im Hauptprozess), ein Interview gibt, muss dieser dafür sorgen, dass ein U-Häftling nicht „nach seinem Naturell“ Wutaussagen macht, sondern ihn einbremsen, damit zumindest der Anschein von Einsichtigkeit entsteht.

Auch solche Sätze sind ungünstig: „Schauen Sie sich doch den Flöttl an. Es war zum Speiben, wie der herumgeschleimt hat. Er ist dort gesessen, hat sich an allen abgeputzt und der Frau Rat gesagt, wie charmant sie nicht sei. Und ihr ist das Herz aufgegangen.“

Elsner-Masche: Politisieren statt über Fakten reden

Elsner, politisch: „Man hat mich politischen Interessen geopfert. 2006 war Wahlkampf, die ÖVP hat versucht, das Ganze als sozialdemokratischen Skandal hinzustellen und auf die Roten hingehaut. Der Gusenbauer hat öffentlich gemeint ‚lauter Verbrecher‘ und gefordert, dass die Handschellen klicken. Was für ein Glück für die SPÖ, dass sie den Nowotny hatte. Nicht nur, dass er ein Universitätsprofessor ist, der vom Bankgeschäft keine Ahnung hat. Er ist auch illoyal. Er hat in der Öffentlichkeit immer wieder beteuert, er hätte den Vorstandsvorsitz nie übernommen, hätte er von all dem vorher gewusst. Das ist eine Frechheit.“

Und: „Er ist von Günter Weninger bereits im November 2005 detailliert über die Flöttl-Geschichte informiert worden. Ich selbst habe ihn im Februar 2006 in meine Wohnung eingeladen, um ihm alles aus meiner Sicht zu schildern. Und ich erinnere mich gut an eine spätere Sitzung im ÖGB, an der Nowotny, Zwettler, Weninger, Verzetnitsch, die Lore Hostasch und ich teilnahmen. Da hat Nowotny wörtlich gemeint, dir wird nichts passieren, mach dir keine Sorgen und genieß deine Pension in Frankreich.“

Passagen, die zeigen, dass Elsner nie begriffen hat, worum es im BAWAG-Prozess ging. Nicht um die Frage, wer was gewußt oder nicht gewußt hat, sondern um die Frage, wer an der Spitze eines Großunternehmens, das Milliarden versenkt hat, die Verantwortung trägt. Das war er. Die Politik der Rückdeckung hielt schon im Alten Rom genauso lange, bis Brutus kam und zustach. Auf politische Freunde sollte man eben nicht allzuviel halten, wenn man im Wirtschaftsleben steht, denn auf saubere Bilanzen.

Partei hat ihn fallen lassen

Elsner: „Mein Pech war, dass ich die Vorgänge in Österreich (er meint: Wahlkampf 2006, Anm.) zunächst nicht wirklich ernst genommen habe, weil ich mir ja nichts vorzuwerfen hatte. Dazu kam, dass ich in Frankreich war. Ich habe die österreichischen Zeitungen nicht so intensiv gelesen, daher habe ich auf vieles gar nicht reagiert, falsch oder zu spät. Wäre ich in Wien gewesen, hätte ich mich sicherlich früher und deutlicher artikuliert. Aber irgendwann hat das eine Eigendynamik bekommen, die mich letztlich überrollt hat.“

Hier zeigt sich, dass Elsner nach wie vor lieber über 2006 und den Gusenbauer-SPÖ-Wahlkampf redet als über die unternehmensinternen Verluste, die eigentlich Prozessinhalt waren. An diese wollte oder konnte er sich meistens auf Nachfragen „nicht im Detail erinnern.“ Der nächste Zellengenosse (er hatte schon 13) kann einem Leid tun, sich das alles anhören zu müssen.

Kamikaze-Aussagen gegen Richterin

Die stärkste Meldung wird nicht gut ankommen. Sie richtet sich gegen die Richterin.

„Die Performance von Frau Bandion-Ortner war absolut unfassbar. Aus meiner Sicht ist sie mit einem sehr einfach strukturierten Geist gesegnet. Sie hat ein sehr schlichtes Gemüt und merkwürdige Vorlieben. Wenn eine Frau ihre Hochzeit im großen Schwurgerichtssaal zelebriert, dort also, wo man früher Mörder zum Tod verurteilt hat, und am Tag nach unserem Urteil Klatschreporterinnen zum Frühstück empfängt und freudig lächelnd die Handschellen zeigt, dann frage ich mich: Was ist das für eine Familie?“

Elsner in der Rolle des renitenten Seniors. Er belegt damit, was Charly Blecha, von den Alten fordert: Nicht zahnlos sein! Doch Elsner greift auf ungewöhnlich direkte Weise die Richterin mit persönlichen Dingen an (hat im Landesgericht geheiratet, gibt Zeitungsinterview im „Kurier“) und charakterisiert sie so: „Ist mit einem sehr einfach strukturierten Geist gesegnet.“ Weit und breit kein Anwalt Kresbach, der händeringend einschreitet und den 73-Jährigen energisch einbremst.

Interview verhindert erfolgreichen Instanzenzug

Genau weil er diesen Rundumschlag in einem vollkommen entbehrlichen Zeitungsinterview nicht verhindert hat, wird Elmar Kresbach, mit all seinen künftigen „Enthaftungsanträgen“, „Strafberufungen“, „Schuldberufungen“ und „Verlegungsanträgen“ auf voller Linie scheitern. Er wird trotzdem am Fall noch etwas verdienen. Jedoch keinen Ruhm.

Ernste Meinung dieses Journals: Elsner muss sich vorsehen, dass er am OLG Wien nach diesem Interview nicht 10 Jahre Höchststrafe bekommt, statt 9,5 Jahre. Es gab schon Fälle, wo ein einziger Brief an den Richtersenat des OLG, in dem der Beschuldigte beharrlich die Tat (unter anderem Betrug) geleugnet hat, dazu geführt hat, dass aus acht 10,5 Jahre wurden und die Richter ausdrücklich auf diesen an sie gerichteten Brief hingeweisen haben. Elsner erreicht mit seiner Mitteilung nicht nur drei Richter, sondern 80.000 „profil“-Käufer und das könnte im Berufungsgang ein Schuss nach hinten werden.

Die Chancen, dass sich am OLG Wien nach diesem Kamikaze-Interview die Strafe reduziert, tendiert gegen Null. Regiert Vernunft, sind auch alle Hafterleichterungen für die nächsten Jahre dahin.

„Profil“ 38/2008 (Wien): Gesamt-Interview „Man hat mich politischen Interessen geopfert“: http://www.profil.at/articles/0838/560/219769/man-interessen

Marcus J. Oswald (Ressort: Justizanstalten, JA Josefstadt)

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter JA Josefstadt, Justizanstalten abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Helmut Elsner kann Hafterleichterung nach Interview verlieren

  1. Pingback: Fussfessel steht im Blickfeld – Erste Promis stellen sich an | Gericht und Gefangen

Kommentare sind geschlossen.