Fünf Autoren in Justizanstalten verboten – darunter Andreas Mölzer

Andreas Mölzer schrieb unter anderem: Jörg Haider - Die Freiheit, die ich meine (1993). (Quelle: Bucharchiv Oswald)

(Wien, im Mai 2008) Fünf Autoren sind aktuell in Leihbibliotheken der österreichischen Justizanstalten verboten: David Irving, Gerd Honsik, Norbert Burger, Herbert Schweiger und Andreas Mölzer. Das gilt mit Erlass vom 8. Februar 2006 so.

Initiiert wurde dieser Erlass von der damaligen BZÖ-Justizministerin Karin Gastinger, die von 25. Juni 2004 bis 11. Jänner 2007 Justizministerin war.

Anlaß war die Verhaftung des international aktiven Historienautors David Irving am 11. November 2005 in der Nähe von Graz und die folgende spontane „Signierstunde“ im Untersuchungsgefängnis JA Graz-Jakomini unter dem damaligen wie heutigen Direktor Adam. Justizwachebeamte reichten dem „prominenten“ Autor einige Bücher zum Autogramm, die in der Anstaltsleihbibliothek standen.

Der Erlass des Justizministeriums, einige Autoren zu sperren, erreichte bald darauf alle Freizeitreferate der Justizanstalten. Dem Journal liegt ein exklusives Dokument vor, das den Datumsstempel „8. Februar 2006“ trägt und die zu entfernenden fünf Autoren benennt: Irving, Honsik, Burger, Schweiger und Mölzer.

Fünf Autoren auf der Sperrliste

  • Der Brite David Irving hat seit seinem Wiener Strafurteil (3 Jahre) und seiner 14-monatigen Haft (der Rest wurde ihm von Richter Ernest Maurer am OLG Wien im Jänner 2007 auf Bewährung nachgesehen) Einreiseverbot nach Österreich.
  • Gerd Honsik wurde nach 15-jährigem Exil in Spanien ebendort kürzlich festgenommen und sitzt seit zwei Monaten eine alte Haftstrafe (18 Monate) in der JA Wien-Josefstadt ab. Er gilt als Propagandist der österreichischen Revisionisten-Szene. Der Wiener Staatsanwalt Michael Klackl will ihm einen neuen Prozess nach Verbotsgesetz machen. Honsik machte vor zwei Wochen einen Einspruch gegen die Anklageschrift.
  • Herbert Schweiger ist 84 Jahre alt (Jahrgang 1924) und stammt aus dem ideologischen Umfeld der steirischen FPÖ. Als sein schreiberisches Hauptwerk gilt das umstrittene Buch „Mythos Waffen SS“. Schweiger wurde seit 1990 vier Mal nach dem österreichischen Verbotsgesetz verurteilt und saß zwei Mal unbedingt in Haft. Er gilt als enger Vertrauter von Gerd Honsik, mit dem er das Buch „Freispruch für Hitler?“ verfasste.
  • Norbert Burger gründete 1967 die Rechtspartei „NPD“, die er bis 1992 (ex.) als Sammelbecken für politische Rechtsaußenpositionen führte.

Zeitungsherausgeber, Buchautor, EU-Parlamentarier

  • Andreas Mölzer war langjähriger Wegbegleiter von Jörg Haider. Der Herausgeber der Wochenzeitung „Zur Zeit“ sitzt seit 2004 nach einem gewonnenen Vorzugsstimmenwahlkampf im Europäischen Parlament und vertritt dort die „Freiheitliche Partei Österreichs“. Mölzer schrieb insgesamt 14 Bücher. Auf seiner Homepage führt er nur 12 Bücher an, was damit erklärt ist, dass er auch als Ghostwriter tätig war. So schrieb er zur Gänze (nicht Jörg Haider, wie viele meinen) das im konservativen deutschen Ullstein Verlag erschienene, 315 Seiten dicke Buch „Jörg Haider – Die Freiheit, die ich meine“, das in der Blütezeit der FPÖ 1993 herauskam und ein Bestseller wurde.

    Andreas Mölzer hat in seiner damaligen Funktion als Vorsitzender der freiheitlichen Parteiakademie (1990-1994) auch die vermutlich größte Rede Jörg Haiders, die „Österreich-Erklärung zum Nationalratswahlkampf 1994“, mitverfasst, die dieser zwei Stunden lang im Palais Ferstel in Wien vortrug, und die nicht mehr und nicht weniger als einen Totalumbau des österreichischen Staates zum Inhalt hatte.

    Daneben verfaßte er auch Lyrikbände, ein Kinderbuch und Sachbücher, die sich mit staatspolitischen Fragen aus rechtsdemokratischem Blickwinkel befassen.

Schwarze Liste

Seit 8. Februar 2006 steht der in Brüssel tätige EU-Parlamentarier auf österreichischem Boden, in den Bibliotheken der 28 Justizanstalten, auf der schwarzen Liste und darf mit Büchern nicht mehr vertreten sein.

Marcus J. Oswald (Ressort: Buch, Blacklist, Justizanstalten)

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