Selbstmord in JA Garsten – 26 Jähriger tot – Sittenbild

Benediktinerkloster bei Steyr: JA Garsten.

(Wien, im November 2006) Jährlich und im langjährigen Durchschnitt sterben rund 20 Männer (meist Männer) durch Selbstmord in österreichischen Justizanstalten. Selbstmord ist nicht verhinderbar. Gemessen an der Gesamtbevölkerung ist die Suizidalität sehr hoch.

Jährlich bringen sich im Durchschnitt in Österreich 1.600 Personen um. Berechnet auf die Gesamtbevölkerung ist das eine Fallwahrscheinlichkeit von 0,00019 Prozent. Also einer von 5.000.

1 von 500 Häftlingen stirbt in Österreich pro Jahr

Wenn von 8.800 Häftlingen jährlich Zwanzig den Freitod wählen, ist das eine Trefferquote von 0,002 Prozent. Also einer von 500.

Am Weltspartag, den 31. Oktober 2006, starb in der JA Garsten ein Salzburger, der wegen Raubes verurteilt wurde. Er war einer, der im Substitutionsprogramm der Anstalt war. Einen Vermerk „Drogen“ haben in Garsten die Hälfte der 400 Insassen. Gestorben ist er entweder an „Herzversagen“ (Anstaltsleitung) oder „Überdosis durch Tabletten“ (Mithäftling).

Der Mann hat eine Handwerkslehre (Schlosser) gemacht, die kurz vor dem Abschluss stand und Teil eines späteren möglichen Neustart-Programms in die Arbeitswelt war. Vor seiner Haft war der Mann jedoch heroinabhängig.

Selbstmord in Justizanstalten Routine

Der Selbstmord schockiert gewiss nicht die Wärterschaft, für die Selbstbeschädigungen und Selbstmorde Teil der Tagesroutine sind. Die Bevölkerung ist sowieso nur Zaungast. Was in Justizanstalten geschieht, interessiert sie durch Wegschauen.

Selbst wenn sie hinsähe, änderte sich nichts. Das System der Justizanstalten krankt am Umfeld und am Mangel an Alternativmöglichkeiten in der Freizeitgestaltung. Die Anstalten sind großteils Verwahranstalten und Kühlschränke, in denen Seelen vereisen und verkümmern. Experimente mit Tabletten und Rauschmitteln sind oft die einzige Auflockerung.

Süchtiges Garsten – „Vier Verteilerkreise“ (Zeitung)

Indes berichtete die „Oberösterreichische Nachrichten“, dass in der JA Garsten ein offenes Suchtgiftproblem herrsche. Die Anstalt, die 30 Lebenslange und etwa 370 mittelschwere Strafmaße ab acht Jahre bis 20 Jahre verwaltet, – prominentester Häftling ist Helmut Frodl – wurde offenbar offene Suchtgiftszene.

Im Juni 2006 wurde 1 Kilogramm geschmuggeltes Cannabis (achtfacher „Handelspreis“ von Ware in Freiheit) in einem Behälter beschlagnahmt. Zur selben Zeit berichtete ein Insasse Hintergründe an die Linzer Tageszeitung: „Türken, Russen, Jugoslawen und Österreicher haben vier Verteilerkreise“ in der Hand.

Kürzlich sagte der Anstaltsleiter Norbert Minkendorfer im ORF-Fernsehen, der Mann war früher einmal Anstaltsleiter der Sonderanstalt JA Wien-Mittersteig, dass in der JA Garsten zudem rund 90 bis 100 Handies im Umlauf sind.

Clean words – Telefone kommen durch Beamte in eine Justizanstalt

Jeder, der sich im tiefen Inneren einer Justizanstalt auskennt, weiß zwei Dinge:

  • 1. 90 bis 100 Mobiltelefone kommen nicht im Stöckelschuh, Damenslip oder doppelten Kofferboden an 400 Insassen, die das Haus nicht verlassen dürfen, oder durch Besucher, die in einem Schockraum, genannt „Besucherzone“, auf Gespräche warten, in eine Hochsicherheitsanstalt wie die JA Garsten. Sondern durch Beamte, die sich konsequent schmieren lassen.
  • 2. Suchtgift „für vier Verteilerkreise“ fällt nicht vom Himmel und wächst nicht aus dem Ackerboden. Wie es in großen Mengen in die Justizanstalt kommt, wissen wohl am besten jene, die dort arbeiten.

Spekulationen unterbleiben hier einmal.

Marcus J. Oswald (Ressort: Justizanstalten, JA Garsten, Selbstmord)

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