Initiative www.durchboxen.de – Gewaltabbau durch Boxen

Lothar Kannenberg (re.) aus Hessen: Jugendhelfer und Boxtrainer (Foto: http://www.durchboxen.de)

(Wien, Kassel im April 2006) „Ich bin kein Pädagoge. Ich habe nicht studiert. Ich habe auf der Straße gelebt. Ich war Wirtschaftshelfer im Puff im Frankfurter Bahnhofsmilieu. Ich war Boxer. Ich war Türsteher. Ich habe alle Drogen genommen außer Heroin. Ich war mit 19 Alkoholiker. Ich hatte Krebs. Ich hab als Streetworker gearbeitet. Ich weiß, wovon ich rede. Ich bin der Lothar.“

Lothar Kannenberg – zitiert im Hamburger Nachrichtenmagazin „Stern“. Kannenberg betreibt ein AAT (Anti-Aggressions-Training) der besonderen Art. Durch Boxen. Für jugendliche Straffällige. Der 48-jährige Deutsche war selbst einmal Boxer. Nun kümmert er sich im deutschen Staufenberg bei Kassel um männliche Jugendliche aus Problemhaushalten.

Schwierige Jugendliche, teilweise Analphabeten

Einige sind oftmals vor dem Richter gesessen, saßen im Jugendgefängnis, waren auf Drogenentzug oder in der Psychiatrie. Die Maßnahmen wirken nicht, wenn die Jugendlichen keine Nestwärme in den staatlichen Anstalten spürten. Dann können Sie sich in der Therapiestelle beim Verein „Durchboxen im Leben e. V.“ melden. 120 Burschen gingen in den letzten fünf Jahren durch seinen Verein.

„80 haben es geschafft“, sagt Kannenberg. Sie machten einen Lehre oder einen Schulabschluss und wurden nicht mehr straffällig.

Als sie je für ein Jahr in das Box-Camp zur Betreuung aufgenommen wurden, galt für sie der berühmte Satz von Winston Churchill „Sport ist Mord“ nicht. Am Gehöft in Staufenberg wird AAT und Selbstbeherrschung durch Training und harte Sportausbildung in der Gruppe geübt. Jeder Jugendliche bekommt ein Paar 12 Unzen-Handschuhe und einen Sandsack. Am Ende des Aufenthaltes erhält jeder sogar einen regulären Meisterschaftskampf.

Deutsches Bundesverdienstkreuz nach fünf Jahren Jugendarbeit mit vorbestraften Jugendlichen.
(Foto: http://www.durchboxen.de)

Das Jugendsozialarbeitprojekt „Durchboxen im Leben“ soll Gewaltbereitsschaft und Auswüchse zur schnellen Lösung von Konflikten vorbeugen. Der sozialtherapeutische Ansatz ist ungewöhnlich. Gilt doch gerade Boxen als die denkbar härteste 1:1-Situation Mann gegen Mann. Doch eben im kontrollierten Setting, im Geviert einer Arena gelten Gebote der Fairness und Selbstkontrolle besonders.

Boxen ist zu 80 Prozent ein Mentalsport, sagte schon einer der Klitschko-Brüder immer wieder. Nur 20 Prozent sind Kraft, die man trainieren kann. Doch wer 80 Prozent Mentalstärke nicht hat, darf nie in einen Boxring steigen, da er sonst sein Leben riskiert.

Neues Konzept des kontrollierten Gewaltabbaus

Ex-Boxer und Sozialarbeiter Lothar Kannenberg profitiert mit seinem neuen Konzept, Jugendliche von der Straße oder von Erziehungsheimen in sein Sozialarbeitercamp zu holen, auch von der Boxwelle in Deutschland. Der Sport, der auf Grund seiner Archaik nach wie vor zu den härtesten Prüfungen gehört, wurde salonfähig und wird regelmäßig im Fernsehen ausgestrahlt.

So erhielt Lothar Kannenberg, Initiator des Vereins „Durchboxen im Leben e.V.“, im Jahr 2005 für seine Jugendarbeit mit straffälligen Jugendlichen auch ein Bundesverdienstkreuz vom deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler.

In Österreich ist ein solches Konzept des Anti-Aggressionstrainings (AAT) nicht bekannt.

Link: www.durchboxen.de

Marcus J. Oswald (Ressort: Therapieeinrichtungen, International, Deutschland)

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